Neue Zürcher Zeitung
Einfach – aber nicht bescheiden
Das Haus Wittgenstein und die klassische Moderne
«Ich glaube, ich habe nie eine Gedankenbewegung erfunden, sondern sie wurde mir immer von jemand anderem gegeben, und ich habe sie nur sogleich leidenschaftlich zu meinem Klärungswerk aufgegriffen.» Diese Worte von Ludwig Wittgenstein finden sich in den «Notizen», die Bernhard Leitner seinem Buch über das Wittgenstein-Haus voranstellt. Dem Autor ist es zu verdanken, dass das Gebäude an der Wiener Kundmanngasse 1971 in einer dramatischen Aktion vor dem Abriss gerettet wurde.
Die erste Bauphase des Wittgenstein-Hauses im Jahre 1926 war bestimmt durch eine enge Zusammenarbeit von Margarethe Stonborough-Wittgenstein, der Schwester Ludwig Wittgensteins, als Bauherrin, dem Loos-Schüler Paul Engelmann als Architekt und Ludwig Wittgenstein als Beobachter und Einflüsterer. Leitner erkennt bereits in einer Planskizze vom Mai 1926 die «architektonische Hauptidee von klarem Gestus: eine zentrale Halle mit angrenzendem Musikzimmer, Speisezimmer und Frühstückszimmer», die er sich nur aus dem Zusammenspiel von Margarethe und Ludwig Wittgenstein erklären kann. In den übrigen Räumen sei dagegen die Loos'sche Bauschule deutlich ersichtlich. Engelmann, der schliesslich Wittgenstein in die Planung einbezog, bekannte in einem Brief von 1953, dieser sei «der eigentliche Architekt» gewesen. Das lange Schweigen der Fachwelt zum 1928 vollendeten Haus Wittgenstein erklärt der Autor mit einer radikal neuen, aber eben nicht dem Geist der frühen Moderne verpflichteten baukünstlerischen Sprache. Architekten, wie der damals junge Ernst Plischke, fassten später ihre Abneigung gegen den Bau unter dem Stichwort «Dilettantismus» zusammen. Andere zweifelten daran, dass Wittgenstein wesentlichen Anteil an Planung und Ausführung hatte. Leitner bescheinigt auch der Forschung Blindheit für eine Architektur, die bewusst «keine Wohn- oder Stilform» habe, dafür einen «Raum-Sinn», der «in den eng verknoteten Raum-Verbindungen, in Material, Farbe und im Detail» spürbar sei.
Unerwähnt bleibt bei Leitner die ins Auge springende Verwandtschaft dieser Architektur mit dem von den Avantgarden propagierten «Stil jenseits der Stile»: das gleiche Streben nach Einfachheit, dieselbe Schmucklosigkeit bis zur Askese, Präzision, formale Reduktion sowie eine klare Beziehung der Teile aufeinander und auf das Ganze. Doch Wittgensteins Einfachheit gilt nicht der Ökonomie, denn alles ist Einzelanfertigung. Seine Vorliebe für Metall und Mechanik gilt nicht einer fortschrittlichen Technologie, sein Sinn für Präzision verträgt sich mit Massverschiebungen, etwa den unterschiedlich dimensionierten Bodenplatten in den einzelnen Räumen. Kein Wunder, dass die Vertreter des Neuen Bauens hier eine feindliche Übernahme, wenn nicht eine Verunglimpfung ihrer ideologisch fundierten Ästhetik witterten. Loos, der den Architekten zum Dienst an der Menschheit berufen sah, hatte die Devise ausgegeben: «Genug der originalgenies! Ein haus gleiche dem anderen!» Wittgensteins Impetus ist ein grundsätzlich anderer. Architektur, wie er sie denkt und in einem einzigen Bauwerk zu verwirklichen sucht, sollte, so Leitner, auf nichts als auf sich selbst verweisen.
Der Autor lässt in seinem Porträt des Bauwerks «die von Anfang an gewünschte, in keiner Weise aber programmatische Absonderung» als «Haltung» eines Individualisten erkennen. Ganzseitige Schwarzweissfotos und eine knappe, auch dem Laien verständliche Sprache beleuchten seine Entdeckungen. Der Besucher wurde (vor der Verlegung des Haupteingangs) durch einen leicht längsrechteckigen, als «Eingang» deklarierten Raum, einen anschliessenden quadratischen «Vorraum» und durch eine Glastüre über eine halbgeschossige Treppe in die zentrale «Halle» geleitet. Der in sich geschlossene Raum fungiert durch Türen an allen Seiten gleichzeitig als «Gelenk» auf dem Weg zu Saal, Wohnzimmer, Terrasse und dem in der Achse des Eingangs liegenden Treppenhaus mit Aufzug. Das aus der Sicht der Moderne inakzeptable räumliche Sowohl-als-auch gibt dem Erdgeschoss seine singuläre architektonische Gestalt. Leitner spricht von der «Zeit-Dimension», die der «statisch-würdevollen Ästhetik» widerspreche.
Bei den einheitlich vertikal gegliederten zweiflügeligen Fenstern, Türen und Fenstertüren bringt der Wechsel von transparenten und transluziden Scheiben (im Staccato von Neben- oder Hintereinander) Bewegung ins räumliche Gefüge. Die Passagen mit verglasten Doppeltüren zwischen der Halle und den angrenzenden Räumen interpretiert der Autor als «Zelebrieren» einer kurzen Wegstrecke. «Beim Schliessen der Doppel-Türe faltet sich dieser Weg-Raum wieder zurück in die Wand.» Für nackte von der Decke hängende Glühbirnen, wie sie Wittgenstein für alle Räume vorschrieb, war die Zeit noch nicht gekommen. Leitner ist solchen Brüskierungen der damaligen Avantgarde mit sichtlichem Vergnügen auf der Spur. Er entdeckt sie nicht zuletzt in den technischen Details, die sorgfältig beschrieben und unter funktionalen und ästhetischen Gesichtspunkten bewertet werden. Zu den Missverständnissen, denen das Haus nach dem Krieg ausgesetzt war, gehört die weisse Ausmalung sämtlicher Innenwände. Wittgenstein selbst hatte einen auf den Charakter der einzelnen Räume farbig abgestimmten, seidig schimmernden Stuccolustro verwendet.
Die im Buch dokumentierte Rettung des Wittgenstein-Hauses besitzt eine doppelte Lesart, als mutige Einmann-Aktion und als kulturpolitische Posse rund um einen Wiener Klüngel aus Architekten und Denkmalschützern. 1975 wurde das Haus an Bulgarien verkauft. Bei der Renovierung für die Nutzung als Kulturinstitut wurden auch Wände eingerissen – für den Retter Bernhard Leitner ein «sinnentstellender» Angriff auf die Architektur, der «durch keine Nutzungsänderung zu rechtfertigen ist».
Gabriele Hoffmann
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坦率地说,这本书的“可读性”在商业出版物中是极低的,它几乎完全拒绝迎合大众口味。它的目标读者群显然是极其小众且具有高度学术背景或哲学思辨倾向的人群。语言的密度之高,概念的抽象性之强,使得任何一次不集中的阅读都可能导致信息的完全丢失。我发现自己必须反复阅读同一段落数次,不是因为内容太复杂,而是因为它的每一个词汇似乎都被赋予了多重甚至互相矛盾的含义,仿佛作者在玩一场精密的文字游戏。每一次重读,都会带来一种新的“错位感”,好像你刚找到一个立足点,下一秒脚下的沙子就已经滑走了。这本书的魅力,如果非要称之为魅力的话,就在于它对阅读的“要求”达到了一个近乎苛刻的程度。它不是让你放松,而是让你紧绷。它不给你答案,而是逼迫你提出更深刻、更具颠覆性的问题。读完之后,我没有感到满足,而是感觉到一种智识上的“耗竭”,仿佛刚刚进行了一场高强度的头脑风暴,只留下一堆尚未整理清楚的、却无比重要的碎片。
评分这本书的节奏感,简直是出乎意料地缓慢,甚至可以说是停滞不前的。如果你期望在其中找到任何传统意义上的情节推进,哪怕是微小的转折,那你多半会失望。它更像是对某一瞬间的极度拉伸和剖析,每一个场景,无论是室内陈设的描述,还是对光线如何穿过窗棂的描摹,都被拆解成了无数个微小的碎片,然后用一种近乎于学术论文的严谨性重新组合起来。举个例子,作者可以花上整整三页篇幅来讨论一张扶手椅的材质、制作工艺以及它在房间中所处的精确角度,而这个过程对“故事”本身的影响微乎其微。我一度怀疑是不是我的阅读理解出了问题,反复回溯前文,试图寻找某种暗示或伏笔,但发现作者根本就没有提供这种“舒适区”。这种手法,无疑是极具冒险性的,它强迫读者放弃线性的时间观念,转而沉浸于一种近乎于冥想的、静态的观察中。每次我合上书本,脑海里浮现的不是人物的命运,而是一些极其清晰的、几何化的、缺乏生命温度的画面,这让我不禁思考,作者究竟是在描绘一个实体空间,还是在描绘一种关于“存在”本身的哲学构想。这种对细节的偏执,达到了令人发指的程度。
评分这本书的“结构”是一个谜团,它完全打破了传统小说中对章节和段落的预期划分。很多时候,一个看似无关紧要的场景会突然中断,紧接着跳跃到一个完全不同的时间点或者地理位置,中间没有任何过渡性的词语或连接句。这让我常常需要停下来,在脑海中拉起一张时间轴,试图将这些碎片化的信息重新锚定。这种结构上的跳跃性,与其说是为了叙事服务,不如说更像是某种实验性的音乐构架,充满了不和谐音和突然的休止符。它似乎在挑战我们大脑对逻辑连续性的依赖。我甚至怀疑,作者可能根本就不在意故事的“始末”,而更看重的是每一个独立“瞬间”被呈现出来的可能性。这种阅读体验,让人想起在观看一部被故意剪辑得支离破碎的电影,你必须自己去填充那些缺失的连接点,从而构建出属于自己的理解路径。这使得每一次阅读都带有一种高度的个人化色彩,你所看到的“这本书”,和你翻开的下一页可能出现的“这本书”,是截然不同的两样东西,充满了流变性。
评分从文学性的角度来看,这本书的作者似乎对“情感的直接表达”抱持着一种强烈的抵触态度。我从未在这本书中读到过任何直白的热情、悲伤或是恐惧。人物的内心活动,如果存在的话,也是通过极其间接的方式呈现的——可能是一个轻微的身体姿态变化,一次不经意的眼神闪躲,或者仅仅是环境中某个物件被移动了位置。这种“去情感化”的叙事策略,使得读者必须投入极大的精力去“推测”和“重建”人物的情感光谱。我感觉自己像一个侦探,拿着一份充满了留白和省略号的笔录,试图还原一个早已结束的对话。这种阅读过程,坦白说,非常耗费心神,它要求读者放下自己既有的情感期待,进入一个近乎于“纯粹理性”的观察领域。我记得有一段描写两个角色在雨夜里对饮的场景,通篇没有提到一句“忧伤”或“怀念”,却通过对酒杯上凝结水汽的反复描摹,营造出一种令人窒息的疏离感。这种“不言而喻”的高级感,对于喜欢直接抒情的读者来说,可能更像是一种折磨,但对于我,则像是在触摸一块冰冷的、但异常纯净的雕塑。
评分这本书,说实话,拿到手里的时候,我有点儿懵。封面设计得极其简约,那种冷峻的几何线条和几乎没有色彩的排版,让我第一时间想到的不是文学,而是某个严肃的建筑设计图集,或者更像是某种哲学思辨的文本导览。我原本期待的是一个关于某个特定地域或历史时期的故事,也许是关于二战后欧洲的某种文化复兴,或者某种失落的贵族生活片段。然而,翻开扉页,映入眼帘的却是大段大段没有上下文的引文和密集的脚注,仿佛这不是一本供人阅读消遣的书,而是一份需要被解码的档案。我花了很长时间才意识到,这本书的“情节”并不在于叙事,而在于它如何构建一种空间感和时间感。它的语言极其晦涩,动辄使用一些晦涩难懂的德语术语,即便有翻译,那种语境的抽离感也让人难以捉摸。我不得不承认,在最初的几章里,我几乎是抱着一种“挑战”的心态在阅读,试图从中找出作者试图表达的那个核心的“意象”或“主题”,但每次似乎都离那个核心更远了一步,更像是在迷宫里绕圈,只能看到墙壁上重复的花纹。这种阅读体验,与其说是享受,不如说是一种智力上的拉锯战,让人既挫败又带着一丝难以名状的好奇心,想看看这本如此“抗拒”读者的书,究竟想向我们展示什么。
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